Der Geruch von Ammoniak liegt in der Luft. Zahlreiche, schmale Lockenwickler reihen sich nebeneinander. Unter einer Trockenhaube wird das feuchte, aufgerollte Haar sanft erwärmt. Etwa zwei Stunden dauert es, bis eine Dauerwelle die Haare in Schwung bringt. Je nach Länge und Zustand der Haare kann der Friseurbesuch entsprechend länger dauern. In den 1980ern galt die Dauerwelle als die Trendfrisur. Lange Zeit danach war sie weniger beliebt. Nun erlebt die Dauerwelle ein Comeback. Denn die Frisur verspricht Fülle und Volumen – selbst bei feinem und dünnem Haar. Was hinter der Dauerwelle steckt und was Interessierte beachten sollten.
Dauerwelle wieder in Mode

Ist das Haar „Dauerwellengegeignet“?

Bevor irgendwelche chemischen Substanzen an das empfindliche Haar dürfen, prüft der Friseur zunächst genau den Zustand der Haare. Sind ausreichend Haare vorhanden, um eine Dauerwelle zu machen? Ist die Struktur gesund genug? Erst wenn beide Fragen mit „Ja“ beantwortet werden können, wird im nächsten Schritt auf Empfehlung des Friseurs entschieden, wie groß die Locken hinterher werden sollen. Die Faustregel ist: Je dünner das Haar, umso schlechter hält eine Dauerwelle. Deshalb wird in dem Fall häufig zu vielen, kleinen Lockenwicklern gegriffen. Dagegen reichen bei dicken Haaren auch wenige Lockenwickler aus, um einen langfristigen Effekt zu erzielen.

Was tun bei zu dünnem Haar?

Das Haar ist zu dünn, die Haare wachsen nicht schnell genug – aber trotzdem besteht der Wunsch zu einer prächtigen Dauerwelle? Zu spät ist es nicht, Alternativen gibt es immer. Zum einen kann gewartet werden, bis das Haar ausreichend lang ist. Auch mit Haarpflegeprodukten kann das schütere Haar langsam wiederaufgebaut werden.

Zum anderen besteht die Möglichkeit ein wenig nachzuhelfen: die Dauerwelle kann auch zunächst nur getestet werden, mit einer entsprechenden Perücke – gefällt diese und bewährt sich auch im Alltag, so kann ganz nach Belieben die Frisur gewechselt werden. Kritik und Spott an Perücken ist verstummt, eine Perücke zu tragen ist heute nichts anderes als eine Brille.

Auch, wenn das Haar aus gesundheitlichen oder erblichen Gründen am Kopf nicht mehr vorhanden ist, stellt eine Perücke die Alternative schlechthin dar.

Eine Perücke muss genau wie normale Haare regelmäßig gepflegt werden – Mehr Infos!

Jetzt wird aufgewickelt

Sind die Haare für eine Dauerwellen-Prozedur geeignet, wäscht der Friseur die Haare mit einem milden Shampoo und bereitet das feuchte Haar mit einer Pflegelösung vor. Dann wickelt er gleichmäßig kleine Haarpartien auf die Lockenwickler. Dabei können bis zu sechzig Lockenwickler ins Haar eingearbeitet werden. Ziepen und spannen einzelne Haarsträhnen, weil ein Lockenwickler zu stramm sitzt, sollte der Kunde den Friseur darauf hinweisen. Der Friseur wird die Locke dann neu wickeln, damit die mehrstündige Prozedur so angenehm wie möglich verläuft. Die aufgerollten Haare benetzt der Friseur nun mit einer Dauerwellenflüssigkeit. Er achtet dabei darauf, dass das ganze Haar gleichmäßig von dem Mittel befeuchtet ist. Da das Präparat Ammoniumsalz beinhaltet, kann es bei der Behandlung verstärkt nach Ammoniak riechen – ein Geruch, der den meisten Kunden schon vom Haare färben bekannt ist.
Bevor der Friseur die Dauerwellenflüssigkeit auf die Haare träufelt, fettet er die empfindliche Haut an der Stirn bis hin zu den Ohren mit einer feuchtigkeitsreichen Creme ein. Auf die Creme legt er Watte. Diese schützt den Kunden vor der Dauerwellenflüssigkeit und verhindert, dass sie ihm in die Augen läuft.
Nachdem die Flüssigkeit komplett aufgetragen ist, wird das feuchte Haar unter einer Wärmehaube sanft erwärmt. Nach etwa einer halben Stunde wäscht der Friseur das Haar gründlich mit Wasser aus und wickelt die Lockenwickler vorsichtig ab. Anschließend trägt der Friseur ein Fixiermittel, meistens Wasserstoffperoxid als Schaum oder als Flüssigkeit, vom Ansatz bis in die Haarspitzen, auf. Das Mittel erfüllt den Zweck, dass die neuen Locken erhalten bleiben. Nach zehn Minuten wird das Fixiermittel mit Wasser ausgespült. Aber Achtung: Das Wasserstoffperoxid kann die Haarpigmente zerstören. Außerdem könnte das Haar heller werden.
Zum Schluss erhalten die Locken eine Pflege wie beispielsweise eine Intensivmaske oder ein Öl. Damit die Locken besonders gut fallen, empfiehlt sich noch ein passender, stufiger Haarschnitt.

Wie steht es um die Haltbarkeit?

Wenn Haare oft gewaschen und gekämmt werden, können Locken schnell wieder aushängen. Das Ergebnis: Platter Ansatz und krause Spitzen. Damit es nicht so weit kommt, sollte das dauergewellte Haar luftgetrocknet werden. Eine Pflege kann von den Spitzen in die Längen geknetet werden. Wer trotzdem unzufrieden mit der Form der Dauerwelle ist, sollte sich eventuell eine neue Dauerwelle machen lassen. Um die Haarspitzen nicht zu schädigen, ist es empfehlenswert, wenn nur der Ansatz dauergewellt wird.

Blond und Dauerwelle?

Sind die Haare bereits coloriert, sollte auf eine Dauerwelle verzichtet werden. Der Grund dafür ist die zu starke Belastung für die Haarstruktur. Jeder chemische Prozess schädigt das Haar. Ist das Ziel, dass die Dauerwelle zu mehr Volumen führen soll, könnte tatsächlich das Gegenteil erreicht werden: Sprödes, brüchiges Haar. Lieber sollte mit einer Dauerwelle solange gewartet werden, bis die Farbe herausgewachsen ist. Genauso auch anders herum. Die Dauerwelle sollte erst aus dem Haar sein, bevor der Friseur mit Farbe nachgeht. Weniger problematisch ist dagegen eine Tönung. Doch auch hierbei sollte darauf geachtete werden, dass das Haar nicht zu häufig belastet wird.
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist zudem, dass Haarpflegeprodukte wie Anti-Spliss-Milch oder spezielle Kuren die Haare vor einem Schaden bewahren könnten. Die chemische Keule ist stärker. Es sollte daher immer individuell entschieden werden, in welchem Zustand das Haar ist, bevor dieses chemisch behandelt wird.

Eine Entscheidung mit Folgen

Es kann passieren, dass die Dauerwelle hinterher nicht so aussieht, wie gewünscht. Zum Beispiel wegen einer zu langen Einwirkzeit oder der falschen Größe der Lockenwickler. Interessierte sollten sich deshalb immer darüber bewusst sein, dass eine Dauerwelle eine langfristige Entscheidung ist. Es dauert seine Zeit, bis die Wellen wieder herausgewachsen sind. Außerdem sollte auch die mögliche chemische Schädigung berücksichtigst werden.
Wer sich noch nicht sicher ist, ob Locken ihm stehen, sollte zunächst auf eine Perücke zurückgreifen. Dabei können Kunden auch nach Belieben mit der Haarfarbe spielen, ohne dabei ihr eigenes Haar zu schädigen. Ein weiterer Vorteil der Perücken: Sie sind nicht nur lockig. Egal welche Haarlänge, Haarfarbe oder Haarschnitt – hier haben Kunden völlig freie Hand. Und das ganz ohne einen stundenlangen Friseurbesuch.

Bild:
Quelle:
Fotolia.com
Urheber:
drouk